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Malcolm Morley

London 1931


Der Maler Malcolm Morley wird im Jahr 1931 in London geboren. Morleys Kindheitserinnerungen aus der Kriegszeit bestimmen später immer wieder seinen Motivschatz: die bombardierte Stadt, die Kriegsmarine, ein Modellflugzeug, mit dem er spielte. In den Wirren der Nachkriegszeit, in der Morley auch kurzzeitig wegen Diebstahl ins Gefängnis muss, besucht Morley 1952 bis 1953 die Camberwell School of Arts and Crafts und von 1954 bis 1957 das Royal College of Art in London.
Malcolm Morley fühlt sich von der Kunst des abstrakten Expressionismus angezogen und siedelt im Jahr 1958 nach New York um. Seine dort entstandenen Werke - meist horizontal gegliederte, hell-monochrome Reliefflächen - befriedigen den Künstler aber nicht, und so sucht er nach gegenständlichen Motiven.
Vorerst arbeitet er in reduzierter Farbigkeit nach Zeitungsfotos von Kriegsschiffen, verfeinert aber im Jahr 1964 seinen fotorealistischen Stil, indem er Farbfotos per Raster detailgetreu auf die Leinwand überträgt. Die Auflösung des Motivs in ungegenständliche Rasterflächen, die er Stück für Stück auf zum Teil überkopf stehende Leinwände malt, verbindet den Künstler weiterhin mit der abstrakten Arbeitsweise seiner Anfänge. Malcolm Morley entwickelt diesen ungewöhnlichen Akt der Bildentstehung zu Performances weiter, bei denen das hin und wieder fehlerhafte Endprodukt, das gegenständliche Bild, zweitrangig wird.
Trotz seiner Individualität wird der Maler als Vorreiter des Fotorealismus betrachtet, den er selbst Super-Realism nennt. In dieser Zeit sind seine Motive sowohl zeitgenössische Szenen, die Morley in die Nähe der Pop-Art rücken lassen, als auch Kopien nach alten Meistern. Anfang der 1970er Jahre bricht der malerische Gestus in Morleys Bildern und seine Motive werden von Gewalt und Zerstörung (etwa Train Wreck, 1975) beherrscht. Er hält sich längere Zeit in Florida auf, dort entwickelt Malcolm Morley eine neue Technik: Er malt seine Gemälde nun nach zuvor selbst gefertigten Aquarellen. Für die Bildgegenstände lässt der Künstler sich auf vielen Reisen von griechischen Mythen und südlichen Landschaften leiten.
Malcolm Morley wird Anfang der 80er Jahre so zu einem Protagonisten des Neo-Expressionismus. Im Jahr 1984 wird er als erster Künstler in London mit dem bedeutenden Turner Preis geehrt.
Ende der 80er Jahre kehren in großen Installationen aus kombinierten Gemälden und Mobiles Schiff und Flugzeug in seinen Motivschatz zurück. Er malt nun nach Modellen, die er durch ein Guckkastensystem von einer bestimmten Position aus abmalt. Mitte der 90er Jahre tauscht Malcolm Morley diese Art der Vorgehensweise wieder gegen eine exaktere Schilderung aus, jetzt von Modellbausätzen von Flugzeugen, die er flächig und erneut unter abstrakten Gesichtspunkten darstellt. Letztlich widmet er sich wieder figürlichen Schilderungen, in denen er mit zurückhaltender Gestik fotografische Vorlagen in räumlich komplexe Gemälde übersetzt.
Der Künstler Morley lebt und arbeitet in seiner neuen Heimat Amerika.


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